Was ist Assistenz beim Wohnen?
Die Assistenz beim Wohnen ist eine Leistung der sozialen Teilhabe innerhalb der Eingliederungshilfe. Sie richtet sich an Menschen, die in einer eigenen Wohnung, mit Partner oder Familie, bei Angehörigen oder in einer Wohngemeinschaft leben und Unterstützung für eine selbstbestimmte Lebensführung benötigen.
Der Begriff kann missverständlich sein: Es geht nicht darum, dass jemand über das Wohnen bestimmt. Im Mittelpunkt steht vielmehr die Frage: Welche Unterstützung braucht die Person, um ihr Leben so eigenständig wie möglich zu führen?
Wobei kann die Assistenz konkret helfen?
Alltag & Tagesstruktur
Termine planen, Tages- und Wochenstruktur entwickeln, Aufgaben sortieren und Routinen einüben.
Wohnen & Haushalt
Eigene Abläufe organisieren, Haushaltsführung trainieren, Konflikte im Wohnumfeld klären und eine Wohnung erhalten.
Behörden & Organisation
Schreiben verstehen, Termine vorbereiten und bei Behörden, Banken oder Sozialleistungsträgern unterstützen.
Soziale Kontakte
Kommunikation üben, Isolation entgegenwirken, Beziehungen aufbauen und Teilhabe im Sozialraum stärken.
Mobilität & Orientierung
Wege planen, öffentliche Verkehrsmittel nutzen und mehr Sicherheit außerhalb der eigenen Wohnung gewinnen.
Krisen & Veränderungen
Belastende Situationen strukturieren, Handlungsmöglichkeiten entwickeln und passende Hilfen einbeziehen.
Qualifizierte und kompensatorische Assistenz
Das SGB IX unterscheidet zwei Formen. Bei der qualifizierten Assistenz geht es darum, Fähigkeiten aufzubauen oder zu erhalten. Fachkräfte leiten an, erklären, üben und reflektieren gemeinsam mit der leistungsberechtigten Person. Bei der kompensatorischen Assistenz werden einzelne Handlungen ganz oder teilweise übernommen oder begleitet, wenn die Person sie nicht selbst ausführen kann und dafür keine Fachkraft erforderlich ist.
Beide Formen können – wenn der individuelle Bedarf dies ergibt – nebeneinander Bestandteil der Hilfe sein. Welche Assistenzform vorgesehen ist, wird im Gesamtplanverfahren festgelegt.
Wie läuft die Unterstützung bei SFA NORD ab?
- Erstes Gespräch: Wir hören zu und klären, wobei im Alltag Unterstützung gebraucht wird.
- Bedarf und Ziele: Maßgeblich sind der behördlich festgestellte Bedarf und die Ziele aus dem Gesamtplan.
- Persönliche Planung: Gemeinsam werden konkrete, nachvollziehbare Schritte für den Alltag entwickelt.
- Aufsuchende Assistenz: Die Unterstützung findet grundsätzlich persönlich und lebensnah im eigenen Wohn- und Sozialraum statt.
- Überprüfung: Ziele und Entwicklung werden dokumentiert, reflektiert und bei verändertem Bedarf angepasst.
Die Leistungsvereinbarung von SFA NORD nennt unter anderem Alltagskompetenz, psychosoziale und kommunikative Kompetenzen, Wohnungserhalt, soziale Teilhabe, Gesundheit, Krisenbewältigung sowie Mobilität und Orientierung als mögliche Zielbereiche.
Ist Assistenz beim Wohnen dasselbe wie Pflege?
Nein. Eingliederungshilfe und Pflege verfolgen unterschiedliche Ziele. Die Assistenz beim Wohnen soll vor allem Selbstbestimmung und Teilhabe stärken. Pflegeleistungen dienen der Versorgung bei Pflegebedürftigkeit. Beides kann gleichzeitig notwendig sein. SFA NORD kann im Rahmen der Eingliederungshilfe zum Beispiel dabei unterstützen, Pflegeleistungen zu organisieren oder passende Dienste einzubeziehen.